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Woche 5 und Trinidad

veröffentlicht um 10.11.2010, 23:10 von Falko Werner   [ aktualisiert: 17.04.2011, 15:20 ]

23.10.2007 22:11:46

Heute, Dienstag der 23.10.2007.

Alles Gute zum Geburtstag Stephanie!

Das Wochenende war so schön, die ganze Zeit Strom und vorallem Wasser, aber davon ist im Camelito nicht viel zu sehen. Schon nach der Ankunft am gestrigen Montag, ich hatte zum Glück noch meinen Duscheimer vor der Abreise nach Trinidad ausreichend gefüllt, bekam ich kein Wasser. Das fehlende Wasser macht es mit so vielen Kleinigkeiten so unangenehm im Wohnheim. Ohne Wasserreserven in 2 Eimern (cubos) zum Toilette spülen und vor allem Waschen wäre ich ziemlich oft aufgeschmissen. Vor allem bei längerer Wasserabwesenheit wenn die Reserven erschöpft sind bekommt man zu spüren, dass Kuba doch nicht so weit entwickelt ist, wie man sonst häufig annehmen würde.

Nun gut, frisch gewaschen statt frisch geduscht, habe ich mich auf dem Weg zur Uni gemacht. Mit einem kleinen Zwischnstopp bei der Spanischprofessorin bin ich dann zur Faculdad Ingenría Mecanica, wo viele Mitarbeiter wartend vor dem Sekretariat standen und per Bus zum heute beginnenden evento MasXXI (Medio Ambiente Siglo XXI - Umwelt im 21. Jhd.) gefahren zu werden.

Die Startvorträge zur Konferenz waren alles-in-allem trotz meiner geringen Spanischkenntnisse relativ gut verständlich. Der Vortrag des Spanischen Abgesandten der Universität Barcelona war aus mehrerlei Hinsicht interessant, der Festland-spanisch castellanische Dialekt mit den kubauntüpischen th-Lauten und vor allem inhaltlich mit der Vorstellung von für Europa sinnvollen und nützlichen CO2 und Energie-spar-Lösungen im privaten und öffentlichen Nahverkehr. Die Einführung von Car-Pooling, Mitfahrern, Fahrradnutzung und öffentlichem Nahverkehr mit energiesparenden Bussen hat bei vielen Kubanern eher für Belustigung gesorgt, und ich mit meiner einmonatigen Kuba-Erfahrung habe insgeheim die Einführung von Fahrradtaxis in Europa als Enegrieparlösung vorgeschlagen, da diese meiner Meinung nach vor allem innerorts das Straßenbild in Kuba mit prägen.

Ein kleiner Exkurs zum Straßenbild auf Kuba:
Auf Kubas Straßen ist alles unterwegs was irgendwie rollen kann und in der Lage ist, möglichst viele Personen von A nach B zu transportieren. Dazu komme ich später noch einmal zurück. Was Gehört alles zu den Verkehrsmitteln auf Kubas Straßen, könnte man sich jetzt fragen, um es sich besser vorstellen zu können. Beispiele für Kubas Straßenverkehrsteilnehmer sind u.a. Pferdekutschen, Fahrradtaxis, verschiedenste Old-, Middle- und Joungtimer aus aller Welt und aus allen Jahrzehnten der Autoproduktion, LKW mit und ohne Aufsätzen zur Personenbeförderung, steinalte und ganz alte Busse, die ständig den offiziellen öffentlichen Bus-Nahverkehr unterstützen, die urbanos omnibusos mit Fahrer und teilweise in den Stoßzeiten auch einer Art Schaffner aber auch die klimatisierten Überlandbusse von Astro oder gelegentlich der eine oder andere Touristenbus, Motorräder, Mofas, motorisierte Fahrräder, normale Fahrräder, Schubkarren aber auch immer und überall zahlreiche Fußgänger. Die größten Luftverschmutzer dabei sind die alten LKW aus russischer und andrer fremder Produktion.

Nach der Auftaktveranstaltung im Tagungshotel und dem Mittagessen blieb noch einige Zeit zum Austausch mit anderen Teilnehmer, wie bspw. Edmundo aus der Dominikanischen Republik. Schließlich mussten wir einige Stunden warten und ich hab dann doch den Bus zurück zur Uni verpasst und einen unbeschreiblich abenteuerlichen Rückweg über Santa Clara bekommen. Angefangen damit, dass das Tagungshotel außerhalb Santa Claras liegt und ich erstmals mit einer kubanischen Pferdekutsche gefahren bin, habe ich nach dem Einkauf von Getränken den Rückweg aus Santa Clara antreten wollen. Die Zeit hätte locker noch gereicht, um mit dem Zug zur Uni zu fahren und noch ein Weilchen zu arbeiten, bevor ich ggf. an der Abendveranstaltung mit teilgenommen haben könnte, aber se sollte nun mal anders kommen. Am Bahnhof angekommen, den Zug gefunden aber von einer Lok nichts zu sehen, habe ich Kuba-üblich angefangen zu warten und mich nach gut einer halben Stunde dazu durch gerungen doch nicht die Bahn sondern den Bus zu nutzen, um doch noch zumindest zur Abfahrt zur Abendveranstaltung pünktlich zu kommen. Aber auch das sollte noch in Nachspiel haben. Also auf zum Busbahnhof, schnell noch ein paar Muttern zur Befestigung meines tollen Hinterrades besorgt und ein Eis auf die Hand mitgenommen. Ich konnte mein Glück fast nicht fassen, der Bus war da, die Leute fast all eingestiegen und es war nur so voll, dass alle Stzplätze und ein paar Stehplätze belegt waren. Also flink eingestiegen und ab zur Uni. Denkste! Nix mit zur Uni, denn der Bus hatte einen Reifenplatzer und damit war das Problem da, gut 100 Leute, die in Richtung Uni unterwegs sind und kein Bus. Offiziell darf ich als Ausländer nicht trampen und bis der nächste oder ein Ersatzbus fährt vergeht eine Stunde, also erstmal zufuß weiter, bis zur Tramperstation, an der auch glatt nach ner 4-tel Sunde ein Privatbus anhält, in dm ich mitfahren kann, wenn auch für den 5-fachen Preis des bereits bezahlten Omnibusses. Kurz auf ie Uhr geschaut: "Mensch, da schaffe ich es gerade noch zur Abfahrt des Busses." Aber auch hier, nix wars. Der Busfahrer blieb auf halber Strecke stehen, alle sollen aussteigen und damit hieß es dann zur Uni Laufen. Nach gut einer Stunde angekommen, war ich allein in der Fakultät, also, was blieb mir übrig als weiter zu arbeiten, was ich ja eh vorhatte. Bis halb 8 ging das so und ich bin danach noch in Wohnheim, habe glücklicherweise Wasser gehabt und konnte mein Wäsche waschen. Muttern für das Hinterrad aus Santa Clara hatte ich, also ging's weiter mit meiner Fahrradreparatur und da ich nichts weiter zu tun hatte, wollte ich mich dann duschen, schließlich haben wir ja Wasser. Pustekuchen, gerade als ich mich eingeseift habe, war kein Wasser mehr in Sicht. Schwein gehabt, dass ich noch ein wenig Wasser im frisch ausgewaschenen Duscheimer aufbewahrt habe. Ohne Wasser und nichts weiter im Wohnheim zu tun, hab ich mich dazu entschlossen die Seiten hier zu schreiben, mein Fahrrad läuft ja schließlich auch wieder wie geschmiert.

Nun wird's aber Zeit für mich zu gehen, die Augen fallen immer wieder zu und ich habe noch gut 2 km zurück in Wohnheim. bis demnächst wider, Falko (23.10.2007 23:31:21)

23.10.2007 21:33:41

Seit dem letzten Eintrag ist so vieles passiert, das ich gern schreiben würde, dass daraus mit Sicherheit auch ein Roman werden könnte. Da ich zum schreiben und du zum lesen sicher nicht die Zeit hast hier die Kurzform und ein paar schöne Bilder folgen wie üblich sicher auch bald.

Das letzte Wochenende in Trinidad

Am Freitag Nachmittag ging es mit Rudaev, der sich zwecks Ortskundigkeit um die Unterkünfte und wegen Autobesitzes um die Fahrt gekümmert hat, auf nach Trinidad. Die Stadt ist die laut Reiseführer schönste Stadt Kubas mit hunderten relativ gut erhaltenen Kolonialzeitbauten, was durch die UNESCO-Welterbeplakette am Plaza Mayor natürlich auch unterstrichen wird. Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, die Stadt an sich ist sehr schön, man kann dort viele Stunden mit Spaziergängen an den Fassaden der erwähnten Kolonialzeitbauten entlang verbringen, Museen mit verschiedenen Ausrichtungen besuchen oder lange Spaziergänge durch die Berge machen. Ich selbst habe mich soweit erst einmal an den Reiseführer gehalten und die Innenstadt zufuß erkundet, dabei die für mich interessantesten Sehenwürdigkeiten besucht. Das waren die Kirchen, die Museen und die Gipfel der nächstgelegenen Berge bzw. Hügel, von denen aus man einen wunderschönen weiten Blick über die Stadt, hin zum Karibischen Meer hat.

Das verlängerte Wochenende über habe ich in einer privaten casa particular von befreundeten Casabesitzern Rudaevs ganz in der Nähe des Plaza Mayor gewohnt. Schon das Haus an sich war fast ein Museum, Möbel, Uhren, Bücher, Kinderwagen, Spiegel im Eingangs- und Wohnbereich der casa stammten aus dem 17. oder 18. Jahrhundert. Mein Zimmer war sehr angenehm eingerichtet. Ich hatte 2 große Betten, 2 Schränke und ein eigenes Bad zur Verfügung. Man hätte also gut zudritt oder sogar zu viert hier wohnen können.

Gegessen habe ich an verschiedenen Orten in der Stadt, vom kubanischen Frühstück in der casa über unterschiedliche Restaurants und natürlich habe ich mich auch hinreißen lassen in Trinidad die typisch kubanischen Käsepizzen zu probieren, wobei ich sagen muss, die Santa Clar'inischen Pizzen schmecken mir persönlich besser. Außerdem bin ich ja schon seit Jahren Safttrinker, also habe ich die Chance genutzt mal wieder den leckeren Guavensaft zu probieren. Da ich noch eine leere Falsche dabei hatte, habe ich natürlich auch gleich noch welchen mitgenommen, was dazu geführt hat, von der Casabesitzerin darauf angesprochen worden zu sein und die nächsten beiden Tage morgens statt Orangensaft selbstgemachten Guavensaft zum Ei- und Obstfrühstück zu bekommen.

Ausflüge am Wochenende in die Umgebung Trinidads gab es nicht viele, da Rudaev das Wochenende eingeplant hatte, bei anderen Freunden Automechaniker zu spielen.
Damit war er bis zum Sonntagnachmittag auch ausgelastet. Aber die restliche freie Zeit haben wir gemeinsam mit Rudys Freunden dann am Ancón-Strand in dr Nähe von Trinidad verbracht, an dem ich nach einer ausgiebigen Schwimm- und Joggingrunde zum Sonnenuntergang ein paar bezaubernde Bilder "schießen" konnte.

Die Rückfahrt am Montagmorgen war weniger spektakulär als die Hinfahrt, denn schließlich hatte ich dabei meinen Pass dabei und nicht im Zimmer liegengelassen, sodass wir die halbe Strecke wieder zurückfahren mussten. Mit dem Sonnenaufgang und der Autofahrt hatte ich ein wenig zu kämpfen, sodass nicht so viele schöne Bilder entstanden sind, wie ich Landschafts-Motive zur Verfügung hatte.

Also ich kann sagen, Trinidad ist einen Besuch wert. Neben der architektonischen Seite, bereits erwähnt, spielt sich das Nachtleben der kleinen Stadt hauptsächlich in der näheren Umgebung der Plaza Mayor in den Casas de la trova und de la Musica ab. Hätte es am Sonntag keine Wahlen in Kuba gegeben, dann müsste am Samstag auch nicht schon zur Mitternachtsstunde die Musik abgestellt werden. Leider mussten die Kubaner am Sonntag wählen und haben mit Erfolg die bestehende Regierung wiedergewählt. Halt Regierung, wiedergewählt? Das stand doch außer Frage im offziell Einparteinstaat. Da das Ergebnis, die Wahl an sich und natürlich auch der getriebene Aufwand erheblich (wichtig) waren, ist die Wahl natürlich als Standardprogramm den ganzen Sonntag über auf allen Kanälen gesendet worden, damit auch jeder Kubaner erstens über die Wahl informiert ist, zweitens weiß, was er wählen muss und drittens weil ja nichts interessantes im Fernsehen gezeigt wird auch zur Wahl geht, um mal rauszukommen und nicht vor der Glotze fest zuhängen.


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